Rechtspopulismus mal anders diskutieren

18 Jul 17
Frederik Gottschling

Es ist 2017 und Ostdeutschland hat ein Problem mit Rechtspopulismus. Es betrifft aber nur die Armen und die Ungebildeten. Aussagen wie diese halten sich hartnäckig, obwohl die Realität anders aussieht. Das Thema Rechtspopulismus ist zwar allgegewärtig, doch nicht jede Perspektive kommt zu Wort.

Marburg - Unsere Sichtweisen auf politische Themen sind unmittelbar mit unseren eigenen Erfahrungen und Assoziationen verbunden. Nur mit diesem Wissen lassen sich die üblichen Debatten zum Rechtspopulismus und den Eingangs erwähnten Vorurteilen nachvollziehen und entlarven, zum Beispiel: Rechtspopulismus ist ein Problem in Ostdeutschland, bei den Armen, bei ungebildeten Schichten.  

Viele solcher Aussagen halten sich sehr hartnäckig, obwohl sie nur unzureichend nachgewiesen werden konnten.

Die AfD feiert längst auch Erfolge in Westdeutschland und wurde ursprünglich unter anderem von Professoren gegründet. Ein anderes Beispiel ist, dass Trump in der USA auch von vielen wohlhabenden Wählern gegenüber Clinton bevorzugt wurde.

Wie verändern sich Themen und Schwerpunkte in diesen Diskussionen, wenn statt den üblichen Journalisten und Talkshowgästen, Menschen zu Wort kommen die direkt von Rechtspopulismus betroffen sind? Wird es ebenfalls um Wahlarithmetik und staatliche Zuschüsse für Parteien gehen, oder vielleicht stärker um Themen wie Rassismus oder die Vereinnahmung progressiver Themen durch rechts?

Mit diesen Fragen gingen wir in die Vorbereitung für eine Podiumsdiskussion, für die wir explizit den Blickwinkel auf das Phänomen Rechtspopulismus erweitern wollten.

Unsere Referenten deckten ein weites Spektrum ab.

So schilderte Idrees, der erst vor kurzem nach Deutschland kam, seine Erfahrungen mit Rechtspopulismus in Deutschland. Zwischen Willkommenskultur und Rassismus: ein schwieriges Thema, zu dem seine Wahrnehmung und die Art, wie er es auch privat diskutiert, einigen Erkenntnisgewinn für uns hatten.

Tarek, ein Marburger Schwulenaktivist, positionierte sich zur Vereinnahmung  progressiver Ideen durch rechte Gruppen und Diskurse – eine historisch neue, umso spannendere Dynamik.

Roman, der bei response arbeitet und Betroffene von Rechtsextremismus und Rassismus (ob antisemitisch, antimuslimisch oder antiziganistisch) berät, erzählte seine Erfahrungen im Umgang mit Betroffenen und inwiefern rechtspopulistische Debatten auch Auswirkungen auf seine Arbeit haben.

Zur Einordnung gab außerdem Melanie, Forscherin am Zentrum für Konfliktforschung, eine Einführung in das Thema.

Auch unseren sehr engagierten Referenten sind wir in Dankbarkeit verbunden.

Wir brauchen Deine Unterstützung

Um im Gespräch miteinander zu bleiben, engagieren wir uns bei Kleiner Fünf. Wir geben Hilfestellung für Gespräche mit Verunsicherten, unterstützen andere Projekte wie z.B. den Bus der Begegnungen oder wollen möglichst viele junge Menschen zur Wahl animieren und sammeln dafür Geld.

Zur Veranstaltung

Zur Veranstaltung am 12.07. in den Räumen des Kerner kamen rund 35 Personen, die engagiert mitdiskutierten und auch eigene Erfahrungen, etwa zu Rassismus in der Interaktion mit der Polizei, einbrachten. Nach etwa zwei Stunden wurden die Diskussionen dann vom öffentlichen Rahmen in den informellen, bei Knabbereien und Getränken, verlagert.

Tatkräftige Unterstützung haben wir vom Projekt „Misch mit! Miteinander Vielfalt (er)leben“ in Marburg bekommen, die uns auch finanziell gefördert haben – an dieser Stelle ein herzliches Danke dafür!

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