Kein Ödes Land - Mit Kunst und Kultur für die Zukunft

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2 Jun 21

Heute sind wir wieder abseits der urbanen Zentren #unterwegsinlst. Doch auch im beschaulichen Ort Kalbe/Milde passiert Großes. Die Initiative “Künstlerstadt Kalbe” holt Künstler*innen aus Deutschland und der Welt nach Sachsen-Anhalt, verteilt Stipendien und treibt ganz nebenbei die Entwicklung der Region voran.

In der Künstlerstadt Kalbe sprudelt das kulturelle Leben. Im anerkannten Erholungsort in der Altmark finden ganzjährig Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Ideenwerkstätten, Atelier-Rundgänge und viele weitere Veranstaltungen statt. Das war nicht immer so: Lange Zeit war das Städtchen geprägt von Strukturwandel, Abwanderung und Verfall der schönen Fachwerkhäuser in der Innenstadt. Doch eine Gruppe von Anwohner*innen leistet seit 2013 kreativen Widerstand. Unter Federführung der Vorsitzenden Corinna Köbele setzte eine lebhafte Transformation in der Stadt ein, angetrieben durch Kunst und Kultur. 

Wir haben bei Corinna Köbele mal nachgefragt, was die Initiative noch so alles vor hat.

K5: Corinna, welche Ziele verfolgt die Künstlerstadt aktuell und wie wollt Ihr sie erreicht?

Corinna: Projekte, Feste, Veranstaltungen, damit sollte das gemeinschaftliche Leben gefördert und das kulturelle Leben in der Stadt und in der Region bereichert werden. Letztlich geht es darum, die Potentiale von jede*r zu wecken und diese in die soziale Skulptur Künstlerstadt Kalbe einfließen zu lassen. Jeden Sommer zieht der 50-tägige Sommercampus eine Reihe vielfältiger Künstler*innen sowie schaulustige Besucher*innen aus aller Welt an. Viele Kunstschaffende wollen länger bleiben, was durch Stipendien auch ermöglicht wird. Und das Konzept geht auf: Durch die Hände von Ehrenamtlichen und Künstler*innen werden nicht genutzte Häuser als Ateliers und Ausstellungsräume wieder nutzbar gemacht. Insgesamt 13 Häuser verwaltet der Verein mittlerweile. Damit geht die Initiative als Beispiel für ländliche Entwicklung voran, was auch schon international Nachahmung in der Niederlande und im Vereinigten Königreich gefunden hat. 

K5: Welche Rolle spielen Inklusion und Diversität für Euch? 

Corinna: Wir haben von Anfang an darauf gesetzt, dass bei der Künstlerstadt alle mitmachen und sich einbringen können. Das ist bereichernd, eröffnet aber auch neue Perspektiven. Kunst darf nicht nur einem Bildungsbürgertum zugänglich sein. 

Wir leben den interkulturellen Austausch, indem wir Begegnungen für ganz unterschiedliche Menschen möglich machen! Das soll Barrieren abbauen, macht aber auch total Spaß! Beim Chor der Nationen haben wir gemeinsam mit unseren neuen Bürger*innen aus Afghanistan Lieder auf afghanisch und niederländisch gelernt und aufgeführt. Solche Musik hätte man sonst vielleicht nie gehört. Unsere inklusiven Tanzworkshops sind der Knüller, die werden sehr gut angenommen. Inklusion ist für uns ein wichtiges Thema. Wir planen unsere Veranstaltungen barrierefrei, was sonst bei Festivals oft nicht berücksichtigt wird, zum Beispiel mit speziellen Toiletten und der Gestaltung von Workshops.

Auch mit unseren Stipendiat*innen aus aller Welt machen wir internationale Begegnungen möglich. In dem Ort gibt es mittlerweile eine richtige Neugier auf die Stipendiaten. Da wird richtig danach gefragt, wann die Nächsten kommen und woher. Wir haben auch ein Patenmodell zwischen Künstler*innen und Bewohner*innen, wo beide Seiten einander begleiten und auch mal blöde Fragen stellen können. Das ist total wichtig und fruchtbar für ein gegenseitiges Verständnis. Mittlerweile sind daraus langjährige Freundschaften entstanden und es kommen immer mehr internationale Postkarten hier an.

K5: Was wäre Dein Wunsch in Bezug auf die Wahl und für die Zukunft in Sachsen-Anhalt?

Corinna: Ich würde mir wünschen, dass in der Endphase des Wahlkampfs alle fair bleiben und einander zuhören. Diskussionen sollten gesucht und nicht vermieden werden. Ja, es gibt einen latenten Rechtsextremismus im Land, der nicht offen geäußert wird. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Sätze auch bei uns im Ort fallen. Das muss man dann ansprechen und sich damit auseinandersetzen! 

Die demokratischen Parteien müssen sich fragen, welche Bedürfnisse die Wähler haben und ihnen auch Angebote machen. Sie müssen für Diskussionen offen bleiben und sich mit anderen Positionen auseinandersetzen. Woran unsere Gesellschaft krankt, ist der Rückzug in das Private und in die eigene Blase. So verlernen wir Menschen immer mehr, wie man sachlich miteinander diskutiert. Dem versuchen wir als Künstlerstadt entgegenzuwirken. 

Veranstaltungshinweis: 

3.06.-6.06.21 (((potentiale))) Festival für improvisierte Musik

19.07-05.09.21 Internationaler Sommercampus

24.-26.09.21 BRUCCA! Festival für Theater, Zirkus und Musik

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