Wie argumentiert die AfD?

13 Sep 17
David Lanius

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Alternative für Deutschland (AfD) am 24. September in den Bundestag einziehen. Jüngste Umfragen legen nahe, dass sie sogar drittstärkste Partei werden könnte. Warum findet die AfD so viele UnterstützerInnen? Mit welchen Argumenten wirbt die AfD für ihren Einzug in den Bundestag?

Die Argumente der AfD finden sich in ihrem Wahlprogramm. Das ist zwar bereits umfassend analysiert worden (eine Analyse findet sich auch direkt hier bei Kleiner Fünf). Doch die meisten Analysen zielen nicht auf die Argumente der AfD ab, sondern auf ihre politischen Forderungen. Es gibt sogar Stimmen, die behaupten, dass Rechtspopulisten wie die AfD gar nicht wirklich argumentieren würden.

Ein genauerer Blick in ihr Wahlprogramm zeigt jedoch, dass die AfD sehr wohl argumentiert. Sie tut es sogar ausgesprochen geschickt. Ich habe das Wahlprogramm argumentationstheoretisch analysiert und die grundlegende Argumentation der AfD rekonstruiert. Meine Analyse findet sich auf dem Blog des Forums für Streitkultur. Da sie relativ umfassend ist, fasse ich hier die drei zentralen Ergebnisse zusammen:

Die Analyse

Erstens, aus einer rein logischen Perspektive ist die Argumentation der AfD außergewöhnlich klar und stringent. Dies gelingt ihr deshalb, weil sie sich auf Annahmen stützen kann, die vereinfachend oder frei erfunden sind.

Zweitens, das zentrale Thema der „Flüchtlingskrise“ zieht sich beinahe durch die gesamte Argumentation. Es taucht in Argumenten über den Verlust der Leitkultur oder den Verfall der inneren Sicherheit genauso auf wie in Argumenten über die Folgen der Globalisierung oder den demographischen Wandel.

Drittens, und dies ist das zentrale Ergebnis der Analyse, die AfD argumentiert nach dem folgenden Muster:

  1. Es gibt eine Bedrohung.
  2. Nur die AfD kann uns davor bewahren.
  3. Also muss die AfD an die Macht kommen.

Das Kernargument des Populismus

Dies nenne ich das „Kernargument des Populismus“. Aus diesem Kernargument ergibt sich die Strategie der AfD. Sie besteht aus drei Schritten:

  1. Die AfD nutzt gezielt Emotionen wie Angst, Wut und Empörung. Sie spricht diese Emotionen an – seien diese nun begründet oder nicht. Dies bringt ihr Aufmerksamkeit und Zustimmung bei bestimmten Bevölkerungsgruppen.
  2. Die AfD baut Untergangsszenarien auf und heizt die angesprochenen Emotionen an. Sie nutzt dabei Vorurteile und setzt auf bereits bestehende Feindbilder. Am ausführlichsten und effektivsten ist ihr dies mit der Bedrohung durch die “Flüchtlingskrise” und “dem Islam” gelungen.
  3. Die AfD präsentiert sich als die einzige Rettung, als letzte Alternative für Deutschland. Während die anderen Parteien und politischen Akteure als korrupt, unfähig, als “EU-Diktat”, “Lügenpresse” und “Altparteien” abgetan werden, beansprucht die AfD die „Stimme des Volkes“ zu sein und sich allein wirklich für dessen Interessen einzusetzen.

Angst, Wut und Empörung

Die AfD nutzt also die mobilisierende Kraft von Angst, Wut und Empörung, indem sie eine bedrohte Gemeinschaft des “deutschen Volkes” konstruiert. “Wir, das Volk”, werden durch Geflüchtete und den Islam bedroht und können nur gerettet werden, wenn “wir” uns gegen “die da oben” durchsetzen.

Mit dieser Vereinfachung reduziert die AfD die störende Komplexität politischer und gesellschaftlicher Themen. Was sich in diesem Zusammenhang nicht verdichten oder vereinfachen lässt, wird als Lüge, Verschwörung oder “politische Korrektheit” diffamiert und damit aus der Diskussion ausgeschlossen.

Leider macht diese Strategie der AfD eine konstruktive Debatte über die Probleme in unserer Gesellschaft kaum möglich. Kleiner Fünf ruft jedoch zu einer solchen Debatte auf, setzt sich für eine offene und demokratische Streitkultur ein und versucht, Gespräche mit Andersdenkenden konstruktiv zu gestalten. Und zwar dort, wo das größtmögliche zwischenmenschliche Vertrauen herrscht: in der eigenen Familie und im eigenen FreundInnenkreis.

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