Sie sind hier

Argumentationstechniken

Persönliche Gespräche mit RechtspopulistInnen?

Ja, aber wie geht das? Wir geben dir einige Regeln an die Hand für sachliche Gespräche, die sich nicht in Schuldzuweisungen und Provokationen verlieren. Wir bleiben radikal höflich!

Rechtspopulismus Paroli bieten: Souverän durch schwierige Gespräche!

Rechtspopulistische Ansichten, Parolen und Vorurteile begegnen dir im Alltag an ganz unterschiedlichen Orten: In der S-Bahn ebenso wie in der Kantine, auf einer Familienfeier genauso wie auf einer Party. Nicht selten lösen Sprüche wie „Die etablierten Parteien arbeiten doch alle gegen das Volk!“ oder „Der Islam passt einfach nicht nach Europa!“ erstmal Sprachlosigkeit aus.

Diesen rechtspopulistischen Parolen zu widersprechen, ist oft nicht einfach. Ein Patentrezept dafür gibt es nicht - aber eine ganze Reihe von guten Tipps, die dir helfen können,

  • angemessen auf dein Gegenüber und die Situation einzugehen,

  • dich auf deine Position und Perspektive zu fokussieren,

  • den Raum für menschenverachtende Sprüche zu begrenzen.

Die erste Regel: Bleibe cool!

Versuche, so sachlich, höflich, präzise und souverän zu bleiben, wie möglich.

RechtspopulistInnen provozieren gerne. Doch wenn du dich provozieren lässt, verlässt du die sachliche Ebene und das spielt den RechtspopulistInnen in die Hände. Lass dich nicht auf die Debatte ein, deine Kritik schränke die Meinungsfreiheit des Gegenübers ein (warum, das beschreiben wir hier). Kritisiere sachlich den Inhalt und die Form der Aussagen. Sprich mit ruhiger Stimme und in einem normalen Tempo. So strahlst du Gelassenheit aus. Das wirkt viel überzeugender, als moralische Entrüstung und wütende Zurückweisung – auch wenn das deine nachvollziehbaren Impulse sein sollten.

Die zweite Regel: Mache es konkret!

Rechtspopulistische Parolen beinhalten Verallgemeinerungen, Übertreibungen und Verzerrungen (z.B. den vermeintlichen Gegensatz zwischen “Deutschland” und “dem Islam”). Deshalb ist es schwer, mit allgemeinen Thesen dagegen zu halten. Eine Aussage wie “So kann man das doch nicht sehen” ist nämlich nicht konkret genug.

Anschauliche Gegenbeispiele, die du vielleicht selbst bezeugen kannst, helfen dagegen sehr (zur Inspiration entwickeln wir dazu unsere inhaltlichen Leitfäden). So machst du deutlich, dass die Dinge komplexer sind, als behauptet. Um konkret zu werden, kannst du dein Gegenüber auch auf ihre/seine Annahmen ansprechen. Denn Fragen wie “Wovon gehst du aus?” und “Worauf kommt es dir an?” zwingen dein Gegenüber dazu, sich zu einer Position zu bekennen.

Die dritte Regel: Agiere, statt zu reagieren!

Überzeugte RechtspopulistInnen haben zu allem eine Meinung und werfen gerne alles in einen Topf: Europa, Islam, demographischer Wandel, Migration, Terrorismus, Geschlechterbeziehungen, Medien etc..

Lasse dich von dieser Flut an Themen und Thesen aber nicht treiben. Dein Gegenüber will damit nur von Widersprüchen in der eigenen Argumentation ablenken. Werde deshalb selbst aktiv und weise auf diese Widersprüche hin. Beharre darauf, über ein Thema ausführlich und konkret zu sprechen und nagele dein Gegenüber auf dem fest, was er oder sie sagt.

Die vierte Regel: Nachfragen und hinterfragen

RechtspopulistInnen sind oftmals gute VerschwörungstheoretikerInnen. Deshalb ist es wichtig, dass du ihre Behauptungen, ihre Quellen, ihre Überzeugungen und Vermutungen in Frage stellst. Das heißt nicht, dass ihr euch Statistiken um die Ohren hauen solltet. Das könnte damit enden, dass du plötzlich in eine Belegpflicht gerätst, die du nicht erfüllen kannst. Aber die Seriosität von Informationen zu hinterfragen, ist sehr wichtig. So entlarvst du Stimmungsmache durch Fehlinformationen.

Die fünfte Regel: Wäge deine Worte!

Im Eifer des Gefechts werden wir alle manchmal ungenau und gleichen uns in der Sprache unserem Gegenüber an. Doch Vorsicht: Das trägt dazu bei, Vorurteile zu bestätigen. Es ist deshalb keine Haarspalterei, sondern ein entscheidender Unterschied, ob man von “Wirtschaftsflüchtlingen” spricht oder von “Menschen, die aus ökonomischen Gründen migrieren”.

Dabei gilt grundsätzlich: Du musst deine Wortwahl nicht erklären und kannst sie deinem Gegenüber wahrscheinlich auch nicht aufzwingen. Aber du machst damit deutlich, dass du der rechtspopulistischen Logik nicht folgst. In manchen Fällen kann eine Diskussion über Begriffe auch sehr fruchtbar sein. Frag zum Beispiel nach, was und wen dein Gegenüber eigentlich mit “Wirtschaftsflüchtling” meint. Wie bei Regel zwei geht es auch hier um etwas konkretes - einen Begriff und die ihm zugrunde liegenden Annahmen.

Aus unserer Erfahrung sind diese fünf Regeln in vielen Alltagssituationen hilfreich. Es gibt allerdings noch zwei weitere Faktoren, die deine Gesprächstaktik beeinflussen sollten. Erstens, ob Menschen dabei sind, die direkt von rechtspopulistischen Vorurteilen betroffen sind. Zweitens, wie selbstbewusst, überzeugt und sprachgewandt dein Gegenüber ist.

Sind Betroffene anwesend?

Wenn in einer Situation über “die Flüchtlinge” gesprochen wird, in der Menschen anwesend sind, die selbst in Deutschland Schutz suchen; wenn über “den Islam” diskutiert wird und Menschen muslimischen Glaubens dabei sind... kurz: wenn Menschen im Raum sind, die direkt von rechtspopulistischen Vorurteilen betroffen sind, solltest du besonders aufmerksam sein.

Verhindere, dass sie sich stellvertretend für eine ganze Gruppe verantworten müssen. Vermeide aber, die Diskussion an dich zu reißen. Vielleicht will die betroffene Person lieber für sich selbst sprechen. Von rechten Vorurteilen sind aber auch viele Menschen betroffen, die der deutschen Sprache (noch) nicht mächtig sind. Das heißt nicht, dass sie die feindselige Stimmung nicht wahrnehmen würden. In so einer Situation ist es deshalb wichtig, einer betroffenen Person zu signalisieren “Ich stehe zu dir” (mit einfachen Worten, in der Gestik und Mimik). Das ist oft wichtiger, als sich in Diskussionen mit rechten ScharfmacherInnen zu verlieren.

Wie überzeugt und selbstbewusst ist dein Gegenüber?

Es macht einen großen Unterschied, mit wem du sprichst.

  • Findet dein Gegenüber manches zwar richtig, was die AfD anspricht, aber hat gleichzeitig viele Zweifel? Dann solltest du ruhig und zugewandt reagieren. Sei auf Austausch und Verständigung hin orientiert.
  • Ist dein Gegenüber eine selbstbewusste, überzeugte und sprachgewandte Person? Dann ist es besonders wichtig, dass du im Ton und in der Sache fokussiert bleibst und dich an Fakten orientierst. Je provokanter dein Gegenüber auftritt, desto mehr helfen Sachlichkeit und vielleicht auch mal ein bisschen Ironie.
  • Du kannst allerdings auch in Diskussionen mit ideologisierten Menschenfeinden geraten. Dann sei dir bewusst: Diese wirst du nicht überzeugen. Hier geht es darum, Grenzen zu setzen. Benenne Rechtsbrüche als solche und brich ein Gespräch ab, bei dem du merkst, dass du argumentativ nicht weiter kommst.

Sachlich, entschlossen und radikal höflich

Einfach ist das alles nicht. Deshalb unterstützt dich Kleiner Fünf bei der inhaltlichen Auseinandersetzung gegen Rechtspopulismus und für Vielfalt in unserem Land. Gemeinsam werden wir aktiv - sachlich, entschlossen und radikal höflich.

Radikale Höflichkeit ist kein hippes Schlagwort, sondern eine gemeinsame Aufgabe. Das lernen wir von all jenen Menschen, die von rechtspopulistischer Stimmungsmache direkt betroffen sind. Gemeinsam mit ihnen setzen wir uns für eine respektvolle Debatte ein, bei der sich Menschen ernst nehmen und einander zuhören, auch wenn sie anderer Meinung sind. Dabei geht es nicht um Persönliches, sondern um Positionen. Und  jede Form von Gewalt muss sehr deutlich benannt werden.

Auf unserer Homepage findest du dazu Inspiration. Zusätzlich haben wir noch viele Materialien, die du gerne unter die Leute bringen kannst, zum Beispiel unsere Poster zum Thema.

Share buttons

Mach mit!

Trage dich hier ein, um dabei zu sein!

mitmachen

 

Deine Angaben: